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19.06.2020

Die Zukunft der Trinkwasserversorgung in Remscheid

Inbetriebnahme und Ertüchtigung des Wasserwerkes Eschbachtal geplant

In den letzten Jahren sind spürbare klimatische Veränderungen – auch im Bergischen Land – zu verzeichnen, die sich in einer deutlichen Ver­ringerung von Niederschlagsmengen widerspiegeln. Seit 2007 werden unterdurchschnittliche jährliche Niederschlagsmengen verzeichnet. Dabei sind die Sommer zunehmend trockener und Trockenperioden ohne oder mit geringen Niederschlägen nehmen aktuell zu. Das führt auch wiederholt dazu, dass - wie zuletzt 2018 und 2019 - die Böden derart austrocknen, dass einsetzende Niederschläge im Herbst nicht kurzfristig zur Wiederauffüllung der Talsperren nutzbar werden, son­dern sich erst einmal ein Effekt des Wasseraufsaugens in den Böden darstellt. Daher verkürzt sich der Zeitraum des Wiederauffüllens der Talsperren und damit eine Reduzierung der Wassermenge, welche den Talsperren zuläuft. Es zeigt sich damit, dass die Trockenheit im Frühjahr und Sommer einen gravierenden Einfluss auf die zur Verfügung stehenden Wassermengen im Spätherbst und Winter hat. Und diese Trockenheit setzt immer früher ein. Der für die Talsperre relevante Niederschlag war Ende März 2020 bereits beendet und im April gegen Null gelaufen. In den letzten Jahren hat sich somit der Druck auf die Große Dhünn-Talsperre deutlich erhöht.

Die Veränderungen des Wetters führen weiterhin zu höheren Spitzenlasten und mehr Wasserverbrauch, die zunehmende Hitze bzw. die Zunahme an Trockenperioden zusätzlich zu höheren Verdunstungsmengen. Aufgrund zunehmender Temperaturen und höherer Sonnenein­strah­lung verschlechtern sich die Rohwasserparameter in den Talsperren. Damit kann sich auch der Aufwand der Trinkwasseraufbereitung und das Risiko des Ausfalls einzelner Trinkwasserreservoirs im Bergischen Land erhöhen.

Da sich unser Trinkwasserbezug in Remscheid im Wesentlichen auf die Gewinnung von Trinkwasser aus der Großen Dhünn-Talsperre      fo­kussiert, befindet sich Remscheid in einer Abhängigkeit von der dortigen Entwicklung der Wassermengen und -qualitäten. Sollte die EWR aufgrund wahrscheinlich werdender Engpässe kurzfristig auf die Belieferung von Dritten zugreifen müssen, gibt es keine Ga­rantien bezüglich Verfügbarkeiten und Preisen.

Nachhaltige und stabile Versorgungssicherheit für die nächsten Jahre gewährleisten

Auf der Basis der Entwicklungen der letzten Jahre und mit Ausblick auf die sich abzeichnenden Klimaveränderungen ist geplant, den Bereich der Trinkwassergewinnung und -aufbereitung zu stärken. Dabei soll u. a. erreicht werden, alle zur Verfügung stehenden Trinkwasserreservoirs im Bergischen Raum langfristig zu erhalten, Flexi­bilitäten bei der Beschaffung von Trinkwasser zu verbessern und im Falle des (Teil-)Ausfalls der Großen Dhünn-Talsperre auf gesicherte Trinkwassermengen für Remscheid zurückgreifen zu können.

„Aus diesen Gründen ist geplant, die Inbetriebnahme und Er­tüchtigung des Wasserwerkes Eschbachtal vorzunehmen. Dies stellt mit Blick auf die Nachhaltigkeit, aber auch mit Argumenten wie mehr Unabhängigkeit von Dritten unter dem Strich als die für Remscheid beste Lösung dar“, so Burkhard Mast-Weisz, Oberbürger­meister der Stadt Remscheid.

Ertüchtigung des Wasserwerkes Eschbachtal

Das Wasserwerk im Eschbachtal wird anlagentechnisch neu gebaut und in Betrieb genommen. Hierbei soll soweit wie möglich die vorhandene Infrastruktur genutzt werden, wozu insbesondere Gebäude und Transportleitungen gehören. Als Aufbereitungs­technologie wird die Ultrafiltration bevorzugt, um ein hohes Maß an mengenmäßiger Fle­xibilität und hohem Automatisierungsgrad bei gleichzeitig hoher Trinkwasserqualität zu erreichen. Die Leistungs­fähigkeit der Anlage soll ein Spektrum zwischen 0,5 und 2,8 Mio. m³ Wasser­aufbereitung pro Jahr abdecken. Das Wasserrecht für die Eschbach­talsperre wird neu beantragt. Damit wird erreicht, die Eschbachtalsperre als Trinkwassertalsperre inkl. einem geschützten Einzugsgebiet langfristig zu erhalten. Die Neyetalsperre wird soweit wie möglich in den Wassergewinnungspro­zess eingebettet. Das Wasserwerk im Eschbachtal ist auch über bestehende Not­stromaggregate abgesichert.

„Mit dem Erhalt der Eschbachtalsperre, im Verbund mit der Neyetalsperre, werden alle uns zur Verfügung stehenden Reser­voirs für die Trinkwassergewinnung erhalten. Zu erwartenden klima- bzw. wetterbedingten Engpässen wird in der Zukunft wirksam begeg­net. Keine trinkwasserrelevanten Reservoirs werden aufgegeben. Der Bergische Trinkwasserverbund wird mittelbar dahingehend ge­stärkt, dass Remscheid zukünftig über eigene Reserven ver­fügt und sich damit indirekt Bedarfe an Reserven und Flexibilitäten verringern“, so Prof. Dr. Thomas Hoffmann, Geschäftsführer, sowie Mike Giera, Geschäftsbereichsleiter Netze, der EWR GmbH.

Zeitplan und Kosten

Die EWR rechnet mit einer Investition in Höhe von rund 4,5 Mio. Euro für das Projekt.

Eine exakte Zeitplanung für die Umsetzung ist momen­tan aufgrund noch nicht durchgeführter Detailplanungen nur grob abschätzbar. Auch längere Lieferzeiten von Komponenten und längere Realisierungszeiten aufgrund nicht unmittelbar zur Verfügung stehen­der Dienstleistungen sind momentan noch nicht zu bewerten. Beson­ders große Unsicherheiten zeitlicher Art gibt es auf der Genehmigungsseite bezüg­lich des Wasserrechtes. Die EWR GmbH wird im Sommer 2020 den Wasserrechtsantrag erarbeitet haben, um ihn dann bei der Be­zirks­regierung zu stellen. Nach dem Erhalt des Wasserrechtes ist für Ausschreibung und Vergabe der Gewerke sowie für Bau und Inbetrieb­nahme ein Zeitfenster von 2 bis 2,5 Jahren vorgesehen. Frühester Inbetriebnahmezeitpunkt (unterstellte Bearbeitungszeit für den Was­serrechtsantrag: 1 Jahr) ist somit Sommer bis Ende 2023.

Weitere Infos unter ewr-remscheid.de/journal.

EWR GmbH

Prof. Dr. Hoffmann

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